Deutsch lernen im Mehrgenerationenhaus

Seit November 2014 lernen Ehrenaamtliche zusammen mit Asylbewerbern und Flüchtlingen Deutsch im Mehrgenerationenhaus. Am Anfang waren es vor allem Männer aus Eritrea und Somalia, die ein- bis zweimal in der Woche zum Lerntreff kamen. Seit dem Herbst 2015 stellten Männer aus Syrien die größte Schülergruppe. Viele von ihnen besuchen in der Zwischenzeit aber Integrationskurse oder haben diese bereits erfolgreich absolviert. Dafür kommen nun verstärkt auch Frauen, die im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland gekommen sind.

IMG 0179Pro Woche haben im Jahr 2016 mindestens 25 Personen bei insgesamt bis zu zwölf Ehrenamtlichen im Mehrgenerationen-haus gelernt. Die Schüler/innen kommen aus Syrien, Ägypten, Palästina, dem Irak, Eritrea und Somalia. Einige besuchten parallel einen Integrationskurs und vertieften bzw. wiederholten im Mehrgenerationenhaus das Gelernte. Andere, das sind heute z.B. Geduldete oder Frauen mit Kleinkindern, überbrücken hier die Zeit, bis ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist bzw. bis ihre Kinder in den Kindergarten gehen dürfen und sie mit dem Integrationskurs beginnen können. Zusammen mit den Müttern kamen zu Spitzenzeiten bis zu zehn Kleinkinder im Alter zwischen fünf Monaten und dreieinhalb Jahren. Sie wurden in der Zeit, in der der Unterricht stattfand, von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut, die mit ihnen spielerisch erste deutsche Wörter lernten.

 

Es gibt gemischte Gruppen, in denen Männer und Frauen gemeinsam lernen. Aber auch Gruppen nur mit männlichen bzw. weiblichen Schülern/innen. Alle, die im Mehrgenerationen-haus lernen, machen dies freiwillig und kommen, weil sie lernen möchten. Wir sind bestrebt, dass in einer Gruppe möglichst alle auf demselben Niveau sind. Wobei es aber auch eine große Hilfe ist, wenn diejenigen, die bereits mehr wissen oder schneller lernen, die Schwächeren in ihrer Gruppe unterstützen. Dies zeigt den Ehrenamtlichen auch, dass der Lernstoff verstanden wurde. Erst wenn man es selbst verstanden hat, kann man es einem anderen erklären.

Datei 10.07.17 11 06 20 Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der Prüfungs-vorbereitung. Am Ende des Integrationskurses steht der „Deutschtest für Zuwanderer“, der im besten Fall mit einem Zertifikat auf B1-Niveau abgeschlossen wird. Die Prüfung umfasst die Teilbereiche Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen. Sie dauert im Normalfall circa zwei Stunden. Alle Aufgaben werden alleine und ohne Hilfsmittel gelöst; lediglich der Teilbereich Sprechen schließt eine Aufgabe mit ein, bei der gemeinsam mit einem Partner/ einer Partnerin etwas, z.B. eine Geburtstagsfeier oder ein Ausflug, geplant werden muss. Vor dem Prüfungstermin gibt es das Angebot gemeinsam mit Ehrenamtlichen intensiv originale Prüfungsaufgaben zu bearbeiten, um so den Ablauf der Prüfung kennenzulernen, um zu verstehen, wie die verschiedenen Aufgaben aufgebaut sind, um kleine Tricks zu lernen, mit denen sich die Aufgaben schneller und trotzdem richtig bearbeiten lassen, und vor allem um den Sprachschülern/innen die Angst vor der Prüfung zu nehmen.

Dieses Angebot wäre nicht möglich ohne die großartige Arbeit der Ehrenamtlichen, die sich mit großer Geduld und trotz einiger Rückschläge jede Woche überlegen, wie sie ihren Schützlingen die Schwierigkeiten der deutschen Sprache und besonders ihrer Grammatik am besten erklären können. Denn hinter jeder gelungenen Unterrichtsstunde steckt mindestens genauso viel akribische Vorbereitung.